beim gestrigen Telefonat meinte Gerhard, ich solle ruhig einige meiner Rezepte hier veröffentlichen - mache ich doch glatt:
mein Rezept für die Zigeunersalami (werde ich jetzt wegen politischer inkorrektheit verwarnt?):
2/3 Fleisch aus dem Nacken oder Blättern von Reh-, Dam- oder Schwarzwild
1/3 kerniger Speck vom Hausschwein
Gewürze pro kg Wurstmasse:
24g Nitritpökelsalz (NPS)
3g ganz normaler Zucker [man kann auch eine Mischung aus 1,5g Traubenzucker (Dextrose) und 1,5g normalen Zucker (Saccharose) verwenden]
4g schwarzer, gemahlener Pfeffer
4g grob geschroteter weißer Pfeffer
4g ganze Senfkörner
0,3g gemahlener Koriander
ein gehöriger Schuß Rum (in die Wurstmasse...
"Bastelanleitung":
Den ungefähr -2°C kalten Speck + das ebensokalte Fleisch logischerweise auf wolfgerechte Größe schneiden. Die Gewürze breit darüberstreuen, damit erst gar keine "Gewürznester" entstehen können und alles mit den Händen durchmengen. Nun kann abwechselnd Fleisch und Speck durch den Fleischwolf gelassen werden (3mm Scheibe). Damit es nicht schmiert, sollte der Schneidsatz scharf sein! Wer vor dem Neukauf eines solchen Gerätes steht, möge besser nach einem mit Vorschneider ausschau halten.
Ist alles gewolft, kommt der Rum in die Wurstmasse und alles wird gründlich durchgeknetet. Das ist keine schöne Aufgabe, weil die Masse sehr kalt ist und auch sein soll, aber da kommt man nicht drumherum.
Fertig vermengt werden daraus Klumpen geformt, die mit richtig Schmackes in den Zylinder des Wurstfüllers geworfen werden, um möglichst keine Lufteinschlüsse zu haben. Ich empfehle für die am schwierigsten herzustellende Wurst unbedingt einen Wurstfüller zu verwenden
und nicht etwa den Fleischwolf mit Füllvorrichtung zu nehmen. Durch die Reibung der Schnecke könnte die Wurstmasse erwärmt werden, ihre Temperatur soll zu keiner Zeit der Verarbeitung über 4°C ansteigen! Wenn doch, muß die Wurstmasse wieder heruntergekühlt werden. Die Wintermonate haben da natürlich gewisse Vorteile
In Naturin- oder Naturdärme gefüllt schaut das Ganze aus, wie auf dem ersten Bild zu sehen ist.
Reifung:
Bisher war alles einfach, das ändert sich ab jetzt.
Erstmal trocknen die auf Stangen gehangenen Würste.
Der Raum dafür sollte dunkel + kühl sein und etwas Luftbewegung haben. Für das Foto habe ich das sonst darüberhängende Tuch abgenommen. Fühlen sie sich nach 2 - 3 Tagen unten am Zipfel trocken an, kann die Raumtemperatur erhöht werden bzw. werden sie in einen anderen Raum gebracht.
Der Umrötungsprozess läßt bei den Temperaturen von 15 - 18°C und einer Luftfeuchtigkeit von über 85% (das Hygrometer steht neben dem auf 40°C eingestellten und mit Wasser + offenem Deckel versehenen Einkochautomat unter dem Tuch) nicht lange auf sich warten --> der Schimmel übrigends auch nicht. Die Bildung von Schimmel ist hierbei ein völlig normaler Prozess. Er wird mittels handwarmer Salzlösung und weicher Bürste, welche den Darm nicht verletzt, abgewaschen. Das Ganze wiederholt man innerhalb der Reifezeit (ca. 4Wochen) solange, bis keine Schimmelbildung mehr auftritt. Das ist dann als Zeichen für die Beendigung des Reifevorganges zu werten.
Wenn Du nicht so sehr auf Fertigmischungen mit den darin enthaltenen Zusatzstoffen stehst und Lust auf ein einzigartiges Produkt hast, solltest Du das Experiment wagen.
(ich habe sie in dem Fall hinterher in den Eimer mit Salzlösung getaucht)
Wie ich bereits schrieb, es ist viel Arbeit und dauert je nach Wurstkaliber ungefähr vier Wochen an. Ich empfehle erstmal mit einem relativ dünnem Durchmesser zu beginnen, 50mm würde ich dabei nicht überschreiten.
Ergebnis ist eine wunderbar duftende Salami mit ganz feiner "Wildschweinnote", die es nicht einmal im Feinkostladen zu kaufen gibt.
Vielleicht wandele ich die Reifung demnächst ab, in dem ich die getrockneten Würste mit MOLD-600 (Penicillium nalgiovence) impfe und mir dadurch die Arbeit einfacher mache. Die Lakereifung, von der ich erst hier im Forum erfuhr, wäre auch einen Versuch wert - mal sehen.
Ich weiß, das ist eine ziemlich langwierige, aufwändige und sicher auch ungewöhnliche Herstellungsart. Dennoch würde ich mich freuen, wenn sie noch mehr Nachahmer finden würde.
Ich habe mich immer mit Erfolg an dem Buch "Würste Sülzen, Pasteten selbstgemacht" von Bernhard Gahm (ISBN 3-8001-6404-3) orientiert und bin immer gut dabei gefahren. Das mag langweilig klingen, aber ich kenne kein besseres.

