Ich habe früh mal die letzten Chargen meiner Wurstelei gekostet

. Habe ein Glas Leberwurst geöffnet und zwei Knacker gebraten. Leute, Leute ... Ich bin diesmal - obwohl oder gerade wegen Improvisation - fast perfekt an mein Geschmackslimit gekommen.
Alles hatte eher spontanen, hektischen Charakter. Leber für 1,99 Euro/kg und Schweinemett für 2,99 Euro/kg im Angebot, Schweinebauch und ein Eisbein (hatte 1 Euro/kg gekostet) hatte ich in der TK-Truhe ... Also, was machen wir!? Wir wursteln, sagte der Alte ....

. Gesagt, getan. Dienstag Abend Bauch und Eisbein auf den Herd und gekocht. Über Nacht auskühlen lassen. Mittwoch schlechter Start: Seit 2.00 Uhr wachgelegen, 7.00 Uhr Enkeltochter 20 km in die Schule gefahren, dann Null Bock ... Lustlos Kochfleisch abgepult, Därme hatte ich schon Dienstag eingeweicht. Noch 'n Fettende aus der TK eingeweicht, weil da ja auch Leberwurst rein sollte. Alles irgendwie lustlos .... Gibt eben Tage, an denen man besser im Bett bleibt.
Würzmischung für die Knacker angesetzt. Ich habe die für die Pfefferbeisser genommen und abgewandelt. Aber wie genau - keine Ahnung. Abgeschmeckt, bis es gepasst hat. Ich weiß nur, dass ich auf allen Schnickschnack verzichtet habe. Drin sind, glaube ich, nur NPS, Pfeffer, Paprika, etwas Kümmel und paar Senfkörner. Alles durch den Rührer gejagt. Dann festgestellt: Die Masse ist zu mager. Die vorher immer aus Schweinemett gemachten Würste waren mir eigentlich ziemlich trocken.Schnell noch gefrorenes Rückenfett durchgedreht. War eine schmierige Angelegenheit. Das alles noch an die schon gemengte Masse ... und nach paar Minuten die Sauerei aus dem Rührgerät raus und mit der Hand gemischt. Aber die Masse war sehr homogen, hat mir gut gefallen. Insgesamt hatte ich ca. 3,6 kg Masse.
Dann Därme aufgezogen ... und nicht schlecht gestaunt. Nochmal die Verpackung angeschaut: 28/30er. Kamen mir verdammt ausgeschlackert vor, eher wie ein größeres Kaliber. Naja, gefüllt und riesen Dinger produziert. Mein Hals wurde dick und dicker. Scheinbar hatte das Einweichen über die vielen Stunden die Därme irgendwie dehnbarer gemacht. Der erste Teil war erledigt. Die Würste zum Umröten und Trocknen aufgebammelt.
Nun ging es an die Leberwurst. Alles durchgedreht, die Leber gebrüht (aber zu kurz). Die Masse hat eher etwas bitter geschmeckt und war ziemlich dunkel. Naja, gibt wohl Schlimmeres. Die Masse auf den Hof gestellt zum Auskühlen. Später irgendwann nochmal abgeschmeckt, noch Kochbrühe ran, nachgewürzt. Dann rein in die Gläser und eingeweckt. Fettende aufgezogen, Rest Leberwurst reingepresst. Batsch, geplatzt. Abgebunden, neu eingefüllt. Batsch, geplatzt. Und das mit Fettenden!! Am Ende hatte ich etwa 20 cm Leberwurst im Zipfel drin ... Hund hat sich gefreut, weil ich das Rausgespritzte vor Frust gleich in den Hundenapf geworfen habe. Als ich ihn so hektisch habe fressen sehen, tat es mir schon leid: Selber essen hätte fett gemacht ...
Heute früh habe ich meine Enkeltochter wieder zur Schule gefahren und frische Brötchen mitgebracht. Dann - wie schon geschrieben - die Wurstelei gekostet. Bin sehr, sehr zufrieden. Lag das nun an der lustlosen Improvisiererei ... !? Ist es besser so, als wenn vorher eine detaillierte Planung aller Handgriffe erfolgt!?
Wolfgang